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Die Autobahn M5 liegt am Boden – kann die M6 sie retten?
Vor kurzem ging das Foto eines auf der M5 umgestürzten Lastwagens durch die gesamte ungarische Presse: Aufgrund des bei Újhartyán verunglückten Fahrzeugs wurde in Richtung Szeged bis zum Mittag eine vollständige Straßensperrung verhängt. Einen Tag zuvor, am 12. Mai, erlebte der Gegenverkehr einen ähnlichen Schock: Damals kollidierten drei Lkw in der Gegend von Inárcs, weshalb der betroffene Autobahnabschnitt in Richtung Budapest auf der gesamten Breite gesperrt wurde. Leider verlief auch das Wochenende dieser Woche nicht unfallfrei: Am 16. Mai gab es in der Gegend von Kistelek wegen eines Motorradunfalls eine vollständige Sperrung in Richtung Szeged.
Wo der Verkehr Tag für Tag ein unglaublicher Kampf ist
Wer die Autobahn M5 täglich oder wöchentlich nutzt, muss jedoch nicht erst an die Unfälle der letzten Zeit erinnert werden: Es ist allgemein bekannt, dass man aufgrund der regelmäßigen Staus mit einer Verlängerung der geplanten Fahrzeit um 0,5 bis 1 Stunde rechnen sollte. Die Überlastung der Strecke wird hauptsächlich durch Lkw aus dem Balkan und der Türkei sowie durch Gastarbeiter verursacht: Für sie gibt es derzeit in Ungarn keine andere Schnellstraßenalternative für die Durchfahrt.
Hinzu kommt die hohe Auslastung des Autobahn-Grenzübergangs bei Röszke (auf serbischer Seite bei Horgos) – der zugleich ein Schengen-Grenzübergang ist. Das tägliche Verkehrsaufkommen an diesem Übergang, der die serbische A1 und die ungarische M5 verbindet, kann in Spitzenzeiten 30.000 bis 40.000 Fahrzeuge erreichen und ebenfalls kilometerlange Staus verursachen.
Im Vergleich dazu könnte allein der nicht weit entfernte Grenzübergang Tompa (auf serbischer Seite Kelebia) aufgrund seiner Eignung für den Güterverkehr als Alternative dienen: Hier ist es jedoch vergeblich, den Verkehr umzuleiten, da die Fahrer auf dieser Strecke, nachdem sie von der serbischen Autobahn A1 in Richtung Subotica abgebogen sind, auf zwei Fahrspuren ausweichen müssen und auch auf der ungarischen Seite noch eine ganze Weile auf zwei Fahrspuren weiterfahren müssen.
Was könnte die Lösung sein?
Angesichts dessen ist es kein Wunder, dass in der ungarischen Presse bereits mehrere Alternativen zur Entlastung der M5 aufgetaucht sind. Was könnte die Lösung sein, um den Verkehr auf dieser Autobahn zu verringern, die laut Unfallberichten als „Todesautobahn“ gilt?
Wahrscheinlich waren wir der Antwort noch nie so nahe wie jetzt, dank eines kürzlich in Serbien begonnenen Straßenausbaus.
Der Bau der Autobahn „Das Lächeln der Vojvodina“ eröffnet jedoch nicht nur neue Perspektiven für die Entlastung der M5 und von Röszke, sondern könnte auch der M6, die derzeit zu den am wenigsten befahrenen Autobahnen Ungarns zählt, eine neue Bedeutung verleihen.
Auf der M5 herrscht mehr als doppelt so viel Verkehr wie auf der M6!
Um sowohl das Problem als auch die mögliche Lösung zu verstehen, ist es sinnvoll, von der Information auszugehen, dass im Jahr 2022 auf dem Abschnitt der M5 in der Nähe von Budapest durchfuhren im Tagesdurchschnitt 76.000 Fahrzeuge; und selbst im Raum Szeged lag diese Zahl auf der M5 noch bei 44.000. Im Gegensatz dazu wurden im selben Jahr auf der Zufahrt zur M6-Autobahn in der Hauptstadt nur 35.000 Fahrzeuge pro Tag gemessen; während es zur gleichen Zeit in der Region Szekszárd bzw. Paks nur noch 13.000 waren. Demnach hat die überlastete südöstliche Autobahn mehr als doppelt so viel Verkehr zu bewältigen wie unsere südliche Autobahn, die über erhebliche freie Kapazitäten verfügt!
Ein weiterer aussagekräftiger Wert ist, dass sich laut den Daten des KSH für das Jahr 2022 auf Autobahnen mit einer Länge von mehr als 100 Kilometern durchschnittlich 14,1 Unfälle pro 100 Kilometer ereigneten:
Prozentual gesehen am meisten (21,7) auf die M5 und am wenigsten (4,0) auf die M6.
Als eine Möglichkeit zur Umleitung des Verkehrs zwischen den beiden gegensätzlichen Autobahnen bot sich die Verlängerung der M9 an, die bislang nur zwischen der M6 und der Hauptstraße 51 verläuft und die Donaubrücke bei Szekszárd, also die Szent-László-Brücke, mit einschließt. Dabei handelt es sich zum einen um die 60 Kilometer lange Abschnitt auf einer neuen Trasse gebaut werden, sowie in einem weiteren Projekt einen neuen Grenzübergang in Tompa mit der dazugehörigen 7 Kilometer langen Zufahrtsstraße.
Was in Subotica für großen Aufschwung gesorgt hat, reicht für den internationalen Transitverkehr vorerst noch nicht aus
Dass diese Alternative durchaus ihre Berechtigung hat, zeigt sich daran, dass die Planung für den kürzeren Abschnitt bereits 2024 begonnen hat, wie auch unsere Zeitung bereits berichtete; während die Planung des längeren Abschnitts laut den verfügbaren Regierungsdaten noch im Gange ist mit einer Frist bis zum nächsten Sommer.
Aus internationaler Sicht ist bei dieser Variante jedoch zu beachten, dass sie für die Rolle eines Korridors weniger geeignet wäre. Zwischen dem Grenzübergang Tompa und der serbischen Autobahn A1 befindet sich nämlich noch ein 24 km langer zweispuriger Abschnitt: die 2020 fertiggestellte (in fast 30 Jahren erbaute (!) – Anm. d. Red.) Umgehungsstraße von Subotica stellt zwar einen bedeutenden Fortschritt für die Stadt und den Durchgangsverkehr dar, bietet jedoch vorerst keine Schnellstraßenverbindung zwischen der serbischen Autobahn und der ungarischen Grenze. Den früheren Presseberichten zufolge plant die serbische Regierung jedoch, die als Halbautobahn gebaute Strecke zu einer vollwertigen Autobahn auszubauen.
Die M8 allein kann schon viel zur M5 beitragen
Eine weitere Möglichkeit zur Entlastung der M5 bietet die Schnellstraße M8 zwischen Kecskemét und Dunaújváros sowie der Abschnitt zwischen Dunaújváros und der M7, für die laut den Projektdaten der Regierung bereits seit letztem Jahr Ausführungspläne und Baugenehmigungen vorliegen.
Dieser Abschnitt kann natürlich nur die Verkehrsbelastung der M5 nördlich von Kecskemét entlasten, doch genau hier liegen die meisten Probleme: In den negativen Verkehrsmeldungen geht es meist um den Bereich der M5 in der Nähe der Hauptstadt und die südlichen Abschnitte der M0. Eine wesentliche Rolle spielt dabei, dass der aus Rumänien kommende Lkw- und Pkw-Verkehr auf der M44 die Fahrzeugzahl auf der M5 erheblich erhöht (wie aus den obigen Daten ersichtlich ist). Da die M8 jedoch als Fortsetzung der M44 gebaut wird – wie unter im Rahmen des Projekts zum Bau eines Mega-Knotenpunkts an der M5 bei Kecskemét mehrfach dargestellt haben –, könnte dieser Verkehrseffekt möglicherweise gemildert werden. In einem Ansatz (wobei wir in diesem Artikel bewusst nicht auf die längerfristigen Pläne für die M8 eingehen – Anm. d. Red.) könnte sie eine Alternative für Fahrzeuge im West-Ost-Verkehr darstellen, da sie durch die Anbindung an die M7 eine Verbindung zum Transdanubien und zur Adria-Region herstellt.
Die kritischsten Abschnitte der M0 und der M5 sollen eine Ausweichroute erhalten
Gleichzeitig könnte der Abschnitt der M8 zwischen Kecskemét und Dunaújváros bei größeren Verkehrsproblemen in Verbindung mit der M6 sogar eine Alternative in Richtung Budapest darstellen.
Auf der M0 kommt es nämlich typischerweise auf dem Abschnitt zwischen der M5 und der M6 am häufigsten zu Staus; durch die künftige M8 und die M6 wird es jedoch möglich sein, auch diesen kritischen Abschnitt zu umfahren.
Diese Umgehungsstrecke von Kecskemét über die Pentele-Brücke ist insgesamt 123 km lang und führt bis zum Knotenpunkt M6-M0, also bis zum westlichen Abschnitt der M0. Angesichts der jüngsten Verkehrsprobleme auf der M5 kann diese Strecke mit einer Fahrzeit von etwa 70 Minuten oft vorteilhafter sein als die 73 km lange Strecke zwischen Kecskemét und dem westlichen Endpunkt der M0, die aus den am stärksten befahrenen Abschnitten der M5 und der M0 besteht.
Der Verkehr aus dem Balkan könnte direkt an die M6 angebunden werden, ohne die M5 zu passieren
Einen enormen Schub für die Beseitigung der unhaltbaren Zustände auf der M5 könnte auch der Bau des grenzüberschreitenden Verkehrskorridors bei Hercegszántó geben, der von den zur Debatte stehenden Varianten auf den ersten Blick am ehesten realisierbar erscheint.
Die ungarischen Komponenten dieses Projekts – die im Raum Mohács entstehende Schnellstraße sowie die Ausbaupläne für die Straße Nr. 51 – waren zwar bereits bekannt, doch diese Version hat erst erst im März dieses Jahres mit dem Start des Projekts „Das Lächeln der Vojvodina“ an Fahrt gewonnen hat.
Im Rahmen dieses letzten Bauvorhabens errichtet unser südlicher Nachbar einen Ost-West-Schnellstraßenkorridor zwischen der ungarischen und der rumänischen Grenze, der die Autobahn A1 kreuzt. Die dadurch entstehende serbische Autobahnverbindung
- ergänzt durch den Ausbau des Übergangs in Hercegszántó – für den nun ein Bauunternehmen ausgewählt wurde (siehe unten) –,
- durch den Ausbau des südlichsten Abschnitts der 51 auf vier Fahrspuren,
- sowie mit der Schnellstraße, die zwischen der M6 und der 51 bei der Donaubrücke in Mohács gebaut wird
Dies könnte zu einer erheblichen Umverteilung des Transitverkehrs zwischen dem Balkan und Westeuropa führen und das starke Ungleichgewicht zwischen der M5 und der M6 beseitigen.
Dies ist von entscheidender Bedeutung, da der aus dem Balkan kommende Transitverkehr auf diese Weise direkt an die Autobahn M6 angebunden werden könnte, ohne die M5 zu berühren. Da diese Variante hinsichtlich des Stands und des Umfangs der erforderlichen Projekte nicht unerreichbar erscheint, gehen wir im Folgenden detailliert auf die Elemente ein, die für ihre Umsetzung noch fehlen.
Erster Schritt: Verbindung der Transdanubien mit der Tiefebene bei Mohács
Eines der wichtigsten Elemente des möglichen neuen Korridors ist der Bau der Donaubrücke bei Mohács und der dazugehörigen Schnellstraße. Im Rahmen dieses Vorhabens wird zwischen der Autobahn M6 und Csátalja, das an der Hauptstraße 51 liegt, eine 28,8 Kilometer lange Schnellstraße gebaut, wobei die Hauptstraße 57 verbreitert und an die Hauptstraße 51 angebunden wird; Teil davon ist auch die 756 Meter lange neue Donaubrücke.
Im Hinblick auf den möglichen internationalen Korridor ist es von großer Bedeutung, dass sich dieses Projekt seit Oktober 2024 in der Bauphase ist und zudem auf dem Abschnitt in Transdanubien – zwischen der M6 und dem Busó-Kreisverkehr in Mohács – bereiten der Auftraggeber und der Generalunternehmer bereits den Abschluss der für Ende Mai vorgesehenen technischen Abnahme vor.
Die Anbindung an die Grenze kann die Straße 51 zwischen Csátalja und Hercegszántó gewährleisten
Der nächste kritische Punkt ist der Ausbau der Hauptstraße 51: Die Vorbereitungen für den etwa 28 Kilometer langen Abschnitt zwischen Baja und Hercegszántó an der serbischen Grenze (wobei die Strecke zwischen Csátalja und der serbischen Grenze etwa 12 km umfasst – Anm. d. Red.) laufen derzeit laut öffentlich zugänglichen Daten. Die Planungsarbeiten müssen gemäß dem Zeitplan bis zum Herbst nächsten Jahres abgeschlossen sein.
Gemäß der Karte des Projekts wird zum einen die Hauptstraße 51 ausgebaut, zum anderen wird die Schnellstraße auf einer neuen Trasse errichtet. Dank letzterer könnten auch Baja, Bátmonostor, Nagybaracska, Csátalja, Dávod und Hercegszántó eine Umgehungsstraße erhalten. Unter diesen Orten ist Csátalja von herausragender Bedeutung, da dort die oben beschriebene Anbindung des Schnellstraßenkorridors von Mohács an die vierspurige Hauptstraße 51 realisiert werden kann.
Hercegszántó könnte sich zu einem internationalen Transitknotenpunkt entwickeln
Für den betreffenden Transitkorridor ist ein Grenzübergang zwischen Serbien und Ungarn erforderlich, der für den internationalen Güterverkehr geeignet ist. Dem entspricht das (Weiter-)Entwicklungsprojekt des Grenzübergangs Hercegszántó, das zudem dank einer erfolgreich abgeschlossenen bedingten öffentlichen Ausschreibung im April bereits der Auftragnehmer ausgewählt wurde.
Ziel des Projekts ist es, die Kreuzung für den Verkehr des auf vier Fahrspuren erweiterten Verkehrskorridors geeignet zu machen. Zu diesem Zweck werden im Rahmen des Bauvorhabens
- Es werden neue Fahrspuren gebaut, unter anderem für den Busverkehr, den Güterverkehr und übergroße Fahrzeuge,
- Es werden unter anderem Parkmöglichkeiten für Lastkraftwagen eingerichtet, die Gefahrengüter befördern,
- Nach dem Abriss des alten Gebäudekomplexes wird ein neues Hauptgebäude mit den erforderlichen Nebengebäuden errichtet.
Ein wichtiger Punkt ist, dass der Grenzübergang entsprechend den Anforderungen des Schnellverkehrs mit einer 2×2+1-Spur-Konfiguration ausgebaut werden muss. Da der Ausbau der Straße 51 jedoch voraussichtlich erst später erfolgen wird, muss der Auftragnehmer auch die Anbindung an die derzeitige 2×1-Spur am Grenzübergang gewährleisten.
Serbien plant eine neue Autobahn mit einer Länge von fast 200 Kilometern
Die Grundlage für den neuen alternativen Korridor könnte auf serbischer Seite das bereits mehrfach erwähnte Projekt „Vajdaság Mosolya” bilden, das seinen Namen in der serbischen Presse aufgrund des auf der Karte erkennbaren „Smile“-Zeichens erhielt.
Im Rahmen des 2023 angekündigten Ausbauprojekts soll eine Art halbkreisförmige Schnellstraßenverbindung von Béreg, das auf der anderen Seite von Hercegszántó liegt, bis nach Szerbcserény an der serbisch-rumänischen Grenze entstehen.
Die insgesamt 186 Kilometer lange Strecke wird eine senkrechte Achse zur Autobahn A1 bilden, die als wichtigste Schnellstraße Serbiens fungiert. Die neue Autobahn beginnt im Westen und verläuft nacheinander in der Nähe der Ortschaften Béreg, Zombor, Kúla, Verbász, Szenttamás, Óbecse, Törökbecse, Nagykikinda und Szerbcsernye.
Wie viel Freude kann das „Lächeln der Vojvodina“ bereiten?
Als ersten konkreten Schritt des vor drei Jahren angekündigten Projekts wurde im März dieses Jahres der Vertrag über die Ausarbeitung der vollständigen Planung für den 94,2 Kilometer langen Abschnitt zwischen Béreg und Szenttamás unterzeichnet (wodurch die Schnellstraße an die A1 anschließt), sowie für den Bau des Straßenabschnitts, der den Grenzübergang bei Béreg mit Sombor verbindet.
Der letztgenannte 22,8 Kilometer lange Abschnitt (Béreg–Sombor) soll laut einer Erklärung von Staatschef Aleksandar Vučić vom März voraussichtlich innerhalb von zwei Jahren fertiggestellt werden.
In Anlehnung an das oben beschriebene Projekt in Hercegszántó ist die Entwicklung des Ausstiegspunkts in Béregi auch für die Serben ein entscheidender Schritt. Der serbische Bauminister Goran Vesić 2023 gemäss einer Erklärung von wird „Béreg zu einem großen und wichtigen Grenzübergang, der sogar noch größer sein wird als Horgos.”
Auch wenn die Äußerungen des serbischen Ministers auf eine klare verkehrspolitische Absicht hindeuten, wird die große Frage der kommenden Jahre sein, ob sich die Investitionen, die sich in unterschiedlichen Phasen befinden und bislang nicht unbedingt miteinander verknüpft sind, tatsächlich zu einem einheitlichen internationalen Korridor zusammenfügen werden. Wenn ja, könnte sich die Landkarte des Transitverkehrs zwischen dem Balkan und Westeuropa nach langer Zeit grundlegend neu ordnen.
Quelle: Link
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