Begrenzte Strecke
Stabiles Wachstum, Ausbau der Präsenz: DB Cargo Hungária setzt auf langfristiges Wachstum in der Region
Die Hintergrunddiskussion begann mit einer Besichtigung des Terminals DB Cargo Hungária in Győr, bei der die Führungskräfte des Unternehmens, Geschäftsführer Dr. Jan Busch und Finanzgeschäftsführerin Tímea Falviné Lukács, die Entwicklung des Unternehmens, seine derzeitige Geschäftstätigkeit und seine Zukunftspläne ausführlich vorstellten. Hinter den heutigen vielfältigen Logistikaktivitäten steht ein mehr als zwei Jahrzehnte währender, bewusster Aufbau.
Ein Vierteljahrhundert Entwicklung: vom einfachen Gleispaar zum komplexen Logistikzentrum
Wir hatten bereits berichtet wir darüber, dass eine neue Gleisanlage und eine Wartungsbasis den Bahnterminal in Győr stärken. Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung haben wir das Unternehmen um ein umfassendes Interview gebeten, das auch Fragen der Logistikbranche behandelt.
„Als DB Cargo dieses Gelände 1999 erwarb, gab es hier lediglich ein Gleispaar und eine Schotterfläche. Im Vergleich dazu betreiben wir heute ein komplexes Logistikzentrum, das mehrere Geschäftsbereiche bedient, was die Entwicklung der letzten 25 Jahre deutlich verdeutlicht.”
– erinnerte sich Dr. Jan Busch.
Das ursprüngliche Ziel bestand darin, eine direkte Eisenbahnverbindung zwischen Deutschland und Westungarn herzustellen, die inzwischen nicht nur realisiert wurde, sondern die ursprünglichen Vorstellungen sogar deutlich übertroffen hat. In der Anfangsphase der Unternehmensgeschichte spielte der Aufbau von Beziehungen zur Automobilindustrie eine Schlüsselrolle, insbesondere der Gewinn des Auftrags von Audi Hungaria.
„Der Gewinn der Ausschreibung von Audi Hungaria für die Wartung des Bahnbetriebs war für uns ein Wendepunkt, da wir dadurch nicht nur einen stabilen Kundenstamm gewonnen haben, sondern auch eine langfristige Entwicklungsrichtung erhalten haben”
– erklärte der Geschäftsführer.
Die Investition im Jahr 2016 stellte einen weiteren Meilenstein dar: Damals wurde die Spezialhalle errichtet, in der nun auch bis zu 40 Tonnen schwere Presswerkzeuge für die Automobilindustrie gelagert werden können.
Batterielogistik: ein neuer Geschäftsbereich, neue Anforderungen
Einer der dynamischsten Wachstumsbereiche der letzten Jahre ist die Batterielogistik, für die das Unternehmen umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen durchgeführt hat. Die Vorbereitungen begannen bereits im Jahr 2020.
„Der Umgang mit Batterien erfordert ganz andere Bedingungen als der mit herkömmlichen Waren. Das Umladen muss in einer geschlossenen, kontrollierten Umgebung erfolgen und strenge Sicherheitsvorschriften erfüllen”, betonte der Geschäftsführer.
Zu diesem Zweck wurde eine überdachte Halle errichtet, die direkt an das Gleisnetz angeschlossen ist und so einen schnellen und effizienten Umschlag zwischen Straße und Schiene gewährleistet. Die Funktionsweise des Systems ist einfach, ermöglicht jedoch den Umschlag großer Mengen: Die per Lkw angelieferten Batterien werden in Eisenbahnwaggons umgeladen und gelangen dann mit regelmäßigen Zügen zu ihren Bestimmungsorten in Westeuropa.
„In einem einzigen Eisenbahnwaggon finden bis zu 55 Tonnen Batterien Platz, sodass er die Ladung von drei Lastwagen ersetzen kann, was nicht nur unter Effizienzgesichtspunkten, sondern auch im Hinblick auf den Umweltschutz einen erheblichen Vorteil darstellt” – betonte der Geschäftsführer.
Dann fügte er hinzu: „Da es sich um gefährliche Güter handelt, durchlaufen alle unsere Mitarbeiter eine spezielle Schulung, und der gesamte Prozess unterliegt strengen Vorschriften.”
Neue Wartungskapazitäten: Effizienz und Betriebssicherheit
Wie bereits berichtet, gehören der Bau des Wartungsgleises und des dazugehörigen Schachts zu den jüngsten Erweiterungen des Terminals in Győr, was die Betriebseffizienz erheblich verbessert. Zuvor fanden alle Vorgänge – Rangieren, Batterielogistik und Wartung – auf einem einzigen Gleis statt, was einen hohen organisatorischen Aufwand bedeutete.
„Dank dieser neuen, 120 Meter langen Gleisanlage und des Schachtes können wir die täglichen Wartungsarbeiten parallel zu den operativen Aufgaben durchführen. Das macht unseren Betrieb nicht nur schneller und planbarer, sondern erhöht auch unsere Kapazität.“, sagte der Geschäftsführer.
Auch die technischen Parameter der Infrastruktur sind bemerkenswert: Die Grube hält einer Belastung von mehr als 120 Tonnen stand, was auch die Wartung schwerer Diesellokomotiven ermöglicht. Auf dem Gleis finden zwei Lokomotiven Platz, wobei beide von beiden Seiten aus leicht mit schweren Kränen oder Gabelstaplern angefahren werden können.
„Eine Lokomotive kann bis zu 50 Tonnen wiegen, und bei einem Motorwechsel arbeiten wir mit 20-Tonnen-Bauteilen. Dafür sind eine angemessene Tragfähigkeit und eine moderne Infrastruktur unerlässlich”, erklärte er.
Das Gleis und der dazugehörige Schacht wurden für kleinere Wartungsarbeiten eingerichtet; komplexere Aufgaben werden weiterhin von Partnern des Unternehmens in eigens dafür vorgesehenen Betrieben durchgeführt.
Bei der Entwicklung wurden auch Umweltaspekte berücksichtigt: Die Grube ist mit einem Ölauffangsystem und einer geeigneten Kanalisation ausgestattet, wodurch verhindert wird, dass Schadstoffe versehentlich in die Umwelt gelangen.
Lokflotte und Nachhaltigkeitsbemühungen
Ein wesentlicher Bestandteil des Terminalbetriebs ist die eigene Zugkraftkapazität, die das Unternehmen in den letzten Jahrzehnten gezielt ausgebaut hat.
„Wir verfügen über insgesamt 19 Diesel-Rangierlokomotiven, die wir in den letzten 25 Jahren von unserer Muttergesellschaft in Deutschland erworben haben und die wir kontinuierlich weiterentwickeln und warten. Diese Flotte reicht derzeit aus, um das bestehende Volumen zu bewältigen, wobei natürlich immer die Marktbedürfnisse und Kundenerwartungen den Kapazitätsbedarf bestimmen”, so Dr. Jan Busch.
Die Instandhaltung des Lokomotivparks ist nicht nur eine betriebliche, sondern auch eine strategische Frage, insbesondere in einem Marktumfeld, in dem Flexibilität und Verfügbarkeit entscheidende Wettbewerbsvorteile darstellen, während die Technologien der Zukunft bereits in Sicht sind:
„Langfristig prüfen wir natürlich auch die Möglichkeit, batteriebetriebene Lokomotiven anzuschaffen, die bereits auf dem Markt erhältlich sind. Allerdings lässt unsere derzeitige Betriebsstruktur – bei der die Lokomotiven ständig in Bewegung sind – deren effizienten Einsatz noch nicht zu, vor allem aufgrund der begrenzten Energiespeicherkapazitäten. Derzeit stellt der Dieselantrieb für uns die stabile und zuverlässige Lösung dar, die die erforderliche Flexibilität und Verfügbarkeit gewährleistet.”
Auch in diesem Bereich spielt Nachhaltigkeit eine Rolle. Das Unternehmen prüft derzeit die Möglichkeit des Einsatzes von hydriertem Pflanzenöl (HVO), wodurch die Umweltbelastung erheblich verringert werden könnte.
„In Deutschland wird HVO bereits als alternativer Kraftstoff genutzt, und auch wir prüfen die Möglichkeit, ihn einzuführen. Es handelt sich um eine umweltfreundlichere Lösung, doch stellt es derzeit noch eine Herausforderung dar, in Ungarn die entsprechenden Lieferanten zu finden, und zudem ist es teurer als herkömmlicher Diesel„, fügte er hinzu.
Landesweite Präsenz und vielfältige Aktivitäten
Das Unternehmen ist – neben dem Standort in Győr – auch in mehreren anderen Industriezentren vertreten und bietet komplexe Eisenbahnlogistikdienstleistungen an. In dem Automobilwerk in Kecskemét beispielsweise erfolgt die Eisenbahnabfertigung nach einem ähnlichen Modell wie in Győr: Die Rangier- und Zugbildungsaufgaben werden mit eigenen Lokomotiven und eigenem Personal durchgeführt.
Darüber hinaus sind sie auch in Debrecen, Foktő und Kalocsa vertreten, wo sie die logistischen Anforderungen verschiedener Branchen – von der Automobilindustrie bis zur Landwirtschaft – bedienen.
Herausforderungen des Marktes: Konjunkturabschwächung und Anpassung
„Nicht nur in Ungarn, sondern in ganz Europa war in der letzten Zeit eine Konjunkturabschwächung zu beobachten, die sich unmittelbar auf unsere Absatzmengen ausgewirkt hat. Insgesamt verzeichneten wir auf dem gesamten Markt einen Rückgang von etwa 10 Prozent” – teilte der Geschäftsführer mit.
Der Rückgang betraf vor allem die Automobilindustrie, die zu den wichtigsten Kundensegmenten des Unternehmens zählt.
„Das Jahr 2025 war ausgesprochen schwierig, dennoch ist es uns gelungen, unsere Stabilität zu bewahren und profitabel zu bleiben, was in diesem Umfeld eine beachtliche Leistung darstellt. Für 2026 rechnen wir bereits mit einer Stabilisierung und sogar einem leichten Wachstum. Insbesondere im Geschäftsbereich E-Auto-Batterielogistik sehen wir großes Potenzial.”
– betonte er.
Branchenrealitäten: Infrastruktur und Wettbewerbsfähigkeit
Im Laufe des Gesprächs wurde auch die Zukunft des inländischen und europäischen Schienengüterverkehrs thematisiert, insbesondere im Hinblick auf die Wachstumsziele. Auf die Frage zu den im Nationalen Logistikkonzept 2030–2035 festgelegten Zielen (Ungarn könnte bis 2035 das Doppelte des derzeitigen Schienengüterverkehrsaufkommens erreichen, während bis 2030 ein Wachstum von mindestens 50 Prozent in diesem Sektor erwartet wird. – Red. ) kam eine vorsichtige Antwort:
„Die Ziele zur Verdopplung des Schienengüterverkehrs erscheinen in ihrer jetzigen Form nicht realistisch. Dazu wären erhebliche Infrastrukturausbauten erforderlich, die viele Jahre in Anspruch nehmen würden.”
– erklärte Dr. Jan Busch.
Mit dieser Meinung steht er nicht allein da, denn auch auf der am 17. März 2026 stattgefundenen Magyar Vasút 360° Konferenz wurde den Teilnehmern ebenfalls diese Frage gestellt, von denen niemand seine Zustimmung hinsichtlich der Realisierbarkeit signalisierte.
Das Problem betrifft nicht nur Ungarn, sondern ganz Europa: „Wenn heute kein Entwicklungsprojekt in Angriff genommen wird, wird es in den nächsten 5 bis 10 Jahren mit Sicherheit nicht realisiert werden, was wiederum die Wachstumschancen einschränkt”, erklärte er.
In der Unternehmenszentrale schaltete sich auch die Finanzgeschäftsführerin Tímea Falviné Lukács in das Gespräch ein, die unter den erschwerenden Umständen ebenfalls den Zustand des Streckennetzes hervorhob:
„Aufgrund der in den letzten Jahrzehnten versäumten Instandhaltungsmaßnahmen steht vielerorts eine Infrastruktur zur Verfügung, die einen schnellen und effizienten Verkehr schlichtweg nicht zulässt. Der Straßenverkehr kann schneller auf Marktbedürfnisse reagieren, ist flexibler und in vielen Fällen auch kostengünstiger, was für uns eine erhebliche Wettbewerbsbelastung darstellt.”
- informiert.
Der Finanzvorstand betonte, dass auch die Kostenentwicklung eine Herausforderung darstelle:
„Die Bahnnutzungsgebühren steigen kontinuierlich, während wir in vielen Fällen zu im Voraus festgelegten, festen Preisen arbeiten, sodass diese Erhöhungen unsere Wettbewerbsfähigkeit unmittelbar beeinträchtigen.”
Der Kostendruck ist auch im täglichen Betrieb spürbar. Für die Akteure im Schienengüterverkehr stellt es eine Herausforderung dar, dass im Straßenverkehr bestimmte Preisregulierungsmechanismen zur Verfügung stehen, im Schienenverkehr jedoch nicht. Infolgedessen stellen die Kostenkontrolle und die Planbarkeit des Betriebs oft eine Herausforderung dar.
Die Interessenvertretung der Branche spielt eine wichtige Rolle für das Funktionieren des Sektors. Neben dem Hungrail Ungarischen Eisenbahnverband ist das Unternehmen Mitglied der Industrie- und Handelskammer des Komitats Győr-Moson-Sopron sowie der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer, was die Möglichkeit bietet, die Belange des Eisenbahnsektors bei politischen Entscheidungen zu berücksichtigen.
Zurückkommend auf den Zustand der Infrastruktur betonte der Finanzvorstand: Der Streckenabschnitt muss saniert werden, und aufgrund der in den vergangenen Jahren versäumten Instandhaltungsarbeiten behindern Langsamfahrstellen und Geschwindigkeitsbegrenzungen den Verkehr. Diese Faktoren schränken sowohl die Kapazität als auch die Zuverlässigkeit des Schienengüterverkehrs ein.
Diese Situation ist nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene spürbar: Auch der Verkehr aus den Nachbarländern passt sich der bestehenden Infrastruktur an, sodass Kapazitätsengpässe und langsame Streckenabschnitte die gesamte Logistikkette beeinträchtigen. Der Zustand der kürzlich übergebenen Streckenabschnitte zeigt beispielsweise, dass der Sanierungsbedarf für die Branche langfristig ein entscheidender Faktor bleiben wird.
Zukunftsvision: Stabilität, Wachstum, Stärkung der Region
Zum Abschluss des Gesprächs sprachen die Führungskräfte des Unternehmens auch über ihre Zukunftspläne. Das Ziel ist klar: eine solide Finanzlage und eine starke Marktposition.
„Aus finanzieller Sicht ist es unser wichtigstes Ziel, die Rentabilität aufrechtzuerhalten und einen stabilen, berechenbaren Betrieb mit angemessenen finanziellen Rücklagen zu gewährleisten” – sagte Tímea Falviné Lukács.
Die Wachstumsstrategie stützt sich auf mehrere Säulen. Im Mittelpunkt stehen zum einen die erstklassige Betreuung bestehender Partner und zum anderen die Gewinnung neuer Kunden.
„Unser vorrangiges Ziel ist es, unsere bestehenden Partner weiterhin mit hervorragender Qualität zu bedienen und gleichzeitig neue Akteure aus der Automobil- und Industriebranche zu gewinnen”, erklärte Dr. Jan Busch.
Die Stärkung der internationalen Präsenz ist ein zentraler Punkt in der Unternehmensstrategie:
Sie messen dem Ausbau des Eisenbahnkorridors, der Südost- und Westeuropa verbindet, besondere Bedeutung bei, den sie in Zusammenarbeit mit den anderen Tochtergesellschaften der DB Cargo-Gruppe weiter stärken wollen, um damit ihr Engagement in der Region zu verstärken.
Auch der Ausbau der Zugkraft steht auf der Tagesordnung: Anstelle der derzeit gemieteten Lokomotiven ist die Anschaffung eigener Elektrolokomotiven geplant, was langfristig einen effizienteren und berechenbareren Betrieb ermöglichen dürfte.
Auch auf Terminalebene werden die Investitionen fortgesetzt, wobei die Ausrichtung der Entwicklungen eindeutig von den Marktanforderungen bestimmt wird. Dementsprechend stehen vor allem der Ausbau der Kapazitäten in der Batterielogistik sowie die weitere Entwicklung der Wartungsinfrastruktur im Mittelpunkt.
Die Funktionsweise des DB Cargo Hungária verdeutlicht, dass die Bahnlogistik nach wie vor eine entscheidende Rolle in den Lieferketten spielt. Die Strategie des Unternehmens baut sowohl auf soliden Grundlagen als auch auf Zukunftstechnologien auf und reagiert gleichzeitig aktiv auf die Herausforderungen der Branche.
Quelle: Link
-
Straßenbau 2026. 04. 07.
Innovation auf der Autobahn: digitale Modelle, Drohnen und zukunftsorientierte Lösungen im Betrieb
-
Was wird gebaut? 2026. 04. 07.
Die Zitadelle von Budapest ist eröffnet – Die Renovierung der Zitadelle ist abgeschlossen
-
Nachrichten aus der Industrie 2026. 04. 07.
Die größten Probleme mit Pflastersteinen wurden gelöst
-
Was wird gebaut? 2026. 04. 07.
Das Galerius in Siófok wurde als ganzjährig geöffnetes Erlebnisbad wiedereröffnet