Klima-X

In einem Kraftwerk im Inneren eines Berges wurde eine mögliche Lösung für die Energiekrise in Österreich gefunden

Veröffentlicht

Index.hu; SIEMENS
Die Energiewende von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energiequellen erscheint oft als abstraktes Konzept, doch sie wird in sehr konkreten technischen Lösungen umgesetzt. In Tirol, in der Region Kühtal, ist ein komplexes Wasserkraftsystem in Betrieb, das nicht nur saubere Energie erzeugt, sondern diese auch speichern und zum richtigen Zeitpunkt ins Netz einspeisen kann.

Angesichts des Rückgangs fossiler Energieträger und der Verschärfung des Klimawandels wird eine Neugestaltung der Energieversorgung immer dringlicher. Tirol hat sich zum Ziel gesetzt, seinen Energiebedarf bis 2050 vollständig aus erneuerbaren Quellen zu decken, wobei der Wasserkraft eine Schlüsselrolle zukommt.

Eine Schlüsselrolle in dieser Zukunftsvision spielt die TIWAG, Tirols größter Energieversorger mit Sitz in Innsbruck. Das Unternehmen baut und betreibt seit fast hundert Jahren Wasserkraftwerke und arbeitet auch heute daran, die bestehenden Anlagen noch effizienter und flexibler zu gestalten. Eines der ehrgeizigsten Projekte ist der Ausbau im Kühtai-Gebiet, über den Index ausführlich berichtet.

 

Wasser als „riesiger Akku”

Das Herzstück des Systems bildet das Pumpspeicherkraftwerk Sellrain–Silz, das derzeit weiter ausgebaut wird. Teil des Ausbaus sind ein neues Stausee, ein unterirdisches Kraftwerk (Kühtai 2) sowie ein mehr als 25 Kilometer langes Tunnelnetz.

Das Prinzip dieser Technologie besteht darin, die Bewegung des Wassers zur Energiespeicherung zu nutzen: Bei geringem Energiebedarf wird das Wasser nach oben gepumpt, zu Spitzenzeiten wird es abgelassen, wodurch Strom erzeugt wird. Diese Lösung reagiert schnell auf die Anforderungen des Netzes, was angesichts der Schwankungen bei Solar- und Windenergie besonders wichtig ist.

 

 

Technische Spitzenleistung

Der Schlüssel zum Funktionieren des Systems liegt in der präzisen Steuerung und der Energieverteilung. Dabei spielt für die nachhaltige Skipisten-Technologie in Sölden verantwortlich ist Siemens, das Frequenzumrichter, Steuerungssysteme und Energieverteilungslösungen für das Projekt bereitstellt.

Die Lösung basiert auf SIMATIC S7-1500-Steuerungen und SINAMICS S120-Frequenzumrichtern, während die Energieverteilung durch SIVACON S8-Niederspannungsschaltanlagen gewährleistet wird. Zusammen sorgen sie dafür, dass das System schnell, sicher und effizient auf die Anforderungen des Netzes reagiert.

Der zum System gehörende Wasserzuführungsstollen ist 25,5 Kilometer lang und bindet sechs verschiedene Einzugsgebiete in das System ein. Die Wassernutzung unterliegt jedoch strengen Vorschriften; die abgeleitete Wassermenge bleibt stets innerhalb ökologisch vertretbarer Grenzen, und im Winter findet überhaupt keine Wasserentnahme statt.

Durch den Ausbau werden jährlich 216 Millionen Kilowattstunden erneuerbare Energie ins Netz eingespeist, während gleichzeitig die Effizienz des bestehenden Systems um weitere 15 Millionen Kilowattstunden pro Jahr gesteigert wird. Dadurch lassen sich jährlich etwa 127.000 Tonnen CO₂-Emissionen vermeiden.

 

 

Das Gleichgewicht zwischen Umwelt und Wirtschaft

Ein solches Investitionsvorhaben hat natürlich Auswirkungen auf die Umwelt, doch wird durch zahlreiche Maßnahmen versucht, diese zu minimieren. Dazu gehören die Renaturierung von Flüssen, die Schaffung neuer Lebensräume und der Schutz von Ökosystemen. Das Projekt ist auch in wirtschaftlicher Hinsicht von Bedeutung: Es schafft Arbeitsplätze, stärkt die lokale Wirtschaft und trägt zur Erreichung der österreichischen und europäischen Energieziele bei.

 

 

Die Zukunft der Energie hat bereits begonnen

Das Projekt in Kühtai zeigt deutlich, dass die Energiewende nicht Zukunftsmusik ist, sondern bereits Teil der Gegenwart. Das im Inneren der Berge betriebene System ist eine Verbindung aus moderner Technologie und Nachhaltigkeit, die eine Antwort auf die Herausforderungen der Energiekrise bietet.

Quelle: Link

Beliebt