Klima-X

In Ungarn wurde ein Verband der Energiegemeinschaften gegründet – eine neue Ära in der lokalen Energieerzeugung könnte bevorstehen

Veröffentlicht

Fotos:Illustration, magyarepitok.hu
Eine neue Organisation könnte die Verbreitung der gemeinschaftlichen Energieerzeugung im Land fördern: Mit neun Mitgliedern wurde der Verband der Energiegemeinschaften Ungarns gegründet. Ziel der Initiative ist es, die Rolle lokal erzeugter und lokal genutzter Energie zu stärken, was die Energiekosten senken, die Abhängigkeit von externen Energiequellen verringern und die Energiesicherheit der Gemeinden erhöhen kann.

Der Zeitpunkt der Veranstaltung ist kein Zufall: Die Europäische Kommission hat im März ihr neues Vorschlagspaket Citizen Energy Package vorgestellt, das auf einen raschen Ausbau der gemeinschaftlichen Energieerzeugung abzielt.

Den Plänen zufolge könnte sich die Kapazität der in Gemeinschaftsprojekten installierten erneuerbaren Energien in Europa bis 2030 sogar verzehnfachen: von derzeit rund 9 Gigawatt auf bis zu 90 Gigawatt.

An dem Programm könnten mehr als 16 Millionen Haushalte, 630.000 kleine und mittlere Unternehmen sowie 300.000 öffentliche Einrichtungen teilnehmen.

Foto: Illustration / magyarepitok.hu / Tamás Andrónyi

Die zunehmende Bedeutung der dezentralen Energieerzeugung

Der Kern der Energiegemeinschaften besteht darin, dass die erzeugte Energie vor Ort genutzt wird und die daraus resultierenden Vorteile der Gemeinschaft zugutekommen. Neben gemeinsam installierten Solaranlagen, Energiespeichern und anderen Lösungen im Bereich der erneuerbaren Energien können diese Kooperationen auch Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz sowie Programme zur Bewusstseinsbildung fördern.

Foto: Illustration / magyarepitok.hu / Mihály Nagy

Sinkende Energiekosten, zunehmende Kontrolle über die Energieversorgung

Das Modell bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, ihre Energiekosten zu senken und gleichzeitig mehr Kontrolle über ihre eigene Energieversorgung zu erlangen. Die gemeinschaftliche Energieerzeugung kann zudem ein mögliches Instrument zur Bekämpfung von Energiearmut sein, da lokal erzeugte Energie die Abhängigkeit von externen Energiequellen verringern und mehr wirtschaftliche Ressourcen in den Gemeinden halten kann.

Foto: Illustration / magyarepitok.hu / Mihály Nagy

Eine neue Interessenvertretung für die ungarischen Energiegemeinschaften

Das Ziel des neu gegründeten Verbandes der Energiegemeinschaften in Ungarn ist es, die heimischen Energiegemeinschaften zusammenzubringen und ihr gemeinsames Auftreten gegenüber Entscheidungsträgern, Marktteilnehmern und der Öffentlichkeit zu stärken.

„Die weltweiten Unsicherheiten zeigen deutlich, dass wir bei der Energieerzeugung mehr Unabhängigkeit brauchen. Der aktuelle Vorschlag der Europäischen Kommission deutet darauf hin, dass der gemeinschaftlichen Energieerzeugung dabei eine wichtige Rolle zukommen kann. Wir haben den Verband gegründet, um die heimischen Energiegemeinschaften zu unterstützen und ihre Interessen gegenüber den Entscheidungsträgern zu vertreten.”

– sagte Ákos Éger, der Vorsitzende der Organisation.

Der Verband ist auch an einer europäischen Zusammenarbeit beteiligt: REScoop.eu und seine Partner wenden sich in mehreren Ländern gleichzeitig mit ähnlichen Initiativen an Entscheidungsträger auf EU- und nationaler Ebene.

Es werden Möglichkeiten zur Zusammenarbeit auf nationaler und europäischer Ebene gesucht

Die ungarische Organisation wird sich in Kürze schriftlich an den Energieminister, den für EU-Angelegenheiten zuständigen Minister und den Minister für nationale Wirtschaft wenden. Ziel ist es, dass die Energiegemeinschaften im Rahmen der nationalen energiepolitischen und Entwicklungsprogramme mehr fachliche und finanzielle Unterstützung erhalten.
Márton Fabók, Vorstandsmitglied des Verbandes, ist der Ansicht, dass die Entwicklung von Energiegemeinschaften nicht nur eine energiepolitische, sondern auch eine wirtschaftliche Frage ist. Wie er erklärte, zielt die Initiative darauf ab, dass die ungarischen Energiegemeinschaften auch aktive Akteure in der europäischen Zusammenarbeit werden.

Foto: Illustration / magyarepitok.hu / Mihály Nagy

Ein Modell, das in lokalen Gemeinschaften umgesetzt wird

Eine der größten Stärken der gemeinschaftlichen Energieerzeugung besteht darin, dass sie Anwohner, Kommunen und Unternehmen zusammenbringt. Wenn die Akteure einer Gemeinde gemeinsam daran arbeiten, die vor Ort erzeugte Energie besser zu nutzen, bringt dies nicht nur wirtschaftliche Vorteile mit sich, sondern stärkt auch die Zusammenarbeit in der Gemeinschaft und die lokale Selbstbestimmung.

Szabolcs Gerendás, Vorstandsmitglied des Verbandes, hob am Beispiel der Energiegemeinschaft Bábolna hervor: Nur in der Praxis funktionierende Kooperationen können aufzeigen, wie die gemeinschaftliche Energieerzeugung zu einem Instrument für die nachhaltige Entwicklung von Gemeinden werden kann.

Die Gründung dieser Organisation könnte ein wichtiger Schritt in Richtung einer breiteren Verbreitung der gemeinschaftlichen Energieerzeugung in Ungarn sein, sodass in immer mehr Gemeinden Energiegemeinschaften entstehen, die sowohl die lokale Wirtschaft als auch die Energiesicherheit des Landes stärken

Quelle: B LinkB

Beliebt