Was wird gebaut?
Blick auf die Zitadelle – Ein Wohnhaus aus dem 19. Jahrhundert im Herzen von Budapest wurde um zwei neue Stockwerke mit Smart-Apartments erweitert.
In der historischen Innenstadt von Budapest ist es eine seltene Gelegenheit, dass ein mehr als 140 Jahre altes Wohngebäude buchstäblich neue Höhen erreicht. Das durch Aufstockungen erweiterte Wohnhaus in der Kecskeméti utca wurde laut Archivdokumenten 1879 erbaut, nachdem das zuvor auf dem Grundstück stehende Gebäude abgerissen worden war. Das klassizistische Haus wurde mit Keller, Erdgeschoss und drei Stockwerken sowie einem unausgebauten Dachgeschoss errichtet. Die Querflügel wurden von einem Satteldach, die Seitenflügel von einem Halb-Satteldach gedeckt.
Ein neues Kapitel in der Geschichte eines historischen Hauses
Die Vorbereitungen für das Projekt in diesem Weltkulturerbe waren mindestens genauso interessant wie der Bau selbst. Bei den Vorbereitungen für den Anbau wurde das fast 150 Jahre alte Fundament aus großen Ziegelsteinen freigelegt, das sich in einem guten und stabilen Zustand befand. Dies ermöglichte den Ausbau, allerdings musste das Fundament aufgrund moderner Nutzungsanforderungen verstärkt werden, erklärte Gosztolai Regő gegenüber unserem Portal. Vom Projektleiter Szabadics Group erfuhren wir auch, dass das Untergeschoss einer vollständigen Renovierung unterzogen wurde:
Die alten Lagerräume wurden abgerissen, mehrere hundert Kubikmeter Abfall wurden abtransportiert, und anschließend wurde auf der gesamten Grundfläche des Gebäudes eine neue Stahlbetonfundamentplatte zwischen den bestehenden Fundamenten aus Ziegelsteinen errichtet, um das Fundament des Hauses zu verstärken.
Komplexe Logistik in der Innenstadt
Die Planung und Terminierung der Arbeiten wurde stark dadurch beeinflusst, dass das Gebäude auf drei Etagen bewohnt war und sich in einer belebten Innenstadtumgebung mit zahlreichen Restaurants und Gaststätten befand. Aus diesem Grund wurde auf die Verwendung einer Schuttrutsche verzichtet. Stattdessen wurden Container mit einem Turmkran vom Arbeitsbereich entfernt, in denen der Bauschutt selektiv gesammelt wurde. Das Verwehen von Staub wurde durch Besprühen und Abdecken mit Geotextilien verhindert.
Ein spektakulärer Meilenstein des Projekts war die Installation des Turmdrehkrans, die eine umfangreiche Organisation und vorab durchgeführte Bodenmechanikuntersuchungen erforderte.
Für die Dauer der Arbeiten musste eine vollständige Straßensperrung angeordnet werden, der Busverkehr wurde umgeleitet, da ein 200 Tonnen schwerer Autokran in die durch Parkverbotspfosten verengte Straße manövriert wurde. Vor der Aufstellung des Krans wurden unter Beteiligung der Stadtgärtnerei auch einige Äste der Bäume vor dem Gebäude entfernt.
Construction work in an inhabited building
Eine besondere Herausforderung bei der Umsetzung stellte die Tatsache dar, dass die Bewohner während der gesamten Dauer der Arbeiten in den unteren drei Etagen des Gebäudes wohnen blieben. Im Rahmen des Projekts wurden die Abwasser- und Regenwasserkanalisation im Innenhof komplett erneuert und neue Anschlüsse an die öffentlichen Versorgungsnetze hergestellt. Für den Bau der neuen Hauptleitung wurde die Einfahrt von Hand abgerissen und etwa 60 Kubikmeter Erde ausgehoben. Der Verkehr der Bewohner wurde durch einen provisorischen Holzunterbau gewährleistet, der sich einen halben Meter über dem bestehenden Fußboden befand, während darunter kontinuierlich Erdarbeiten durchgeführt wurden. Parallel zum Abbau der Dachkonstruktion wurden auch die nicht mehr genutzten Schornsteine entfernt, was den Zugang zu mehreren Wohnungen erforderte. Die Arbeiten wurden mit industriellen Schornsteininspektionen abgeschlossen.
Aus Rücksicht auf die Bewohner des Gebäudes und die Touristen wurde ein Großteil der Arbeiten von Hand ausgeführt.
Die Bauarbeiten begannen im Mai 2024 mit dem Abriss der Dachkonstruktion. Zuvor mussten die Bauunternehmer jedoch den Dachboden entrümpeln, die Aufschüttungen entfernen und die Dachziegel abtragen, was zu einer Gewichtsreduzierung von etwa 120 bis 150 Kilogramm pro Quadratmeter führte. Der Bau des Gastendachs war für die sichere Gestaltung des Aufbaus von entscheidender Bedeutung. Dies spielte eine wichtige Rolle dabei, dass die bestehenden Dachkonstruktionen während der Abbrucharbeiten nicht überlastet wurden. Nach dem Abriss des Daches wurden auch die in schlechtem Zustand befindlichen Brandmauern abgerissen. Ein Großteil der Abbrucharbeiten wurde aufgrund der bei Einwohnern und Touristen gleichermaßen beliebten Lage des Gebäudes von Hand durchgeführt.
Das strukturelle Erbe mehrerer Epochen
Die strukturelle Erforschung des Gebäudes erwies sich als Zeitreise. Von Gosztolai Regő erfuhren wir, dass
Die tragenden Wände im Erdgeschoss aus dem 19. Jahrhundert bestehen aus großen Massivziegeln mit einer typischen Dicke von 75 bis 90 Zentimetern. Mit abnehmender Belastung in den oberen Stockwerken werden die Mauern dünner, im ersten Stock auf 60 und in den höheren Stockwerken auf 45 Zentimeter.
Im Erdgeschoss wurden bei der Gestaltung des Alföldi-Restaurants im Laufe des 20. Jahrhunderts gemäß den Anforderungen des Modernismus große Portale mit Stahl- und Stahlbetonkonstruktionen geschaffen, wobei mehrere ursprüngliche Wandpfeiler und Gewölbe entfernt wurden. Die Zwischendecken auf allen Etagen wurden mit einer Stahlbalkenkonstruktion mit einem Abstand von 1,1 bis 1,2 Metern zwischen den Balken hergestellt. Über den Gewölben befindet sich eine Sand- oder Schlackefüllung, auf der ein traditioneller Parkettboden verlegt wurde. Die Gestaltung der Nassräume ist das Ergebnis späterer Eingriffe, bei denen durch teilweisen Abbau der Füllung ein Betonuntergrund und gepflasterte Bodenbeläge geschaffen wurden. Die Dachkonstruktion über dem dritten Stock wurde mehrfach umgebaut: Im Straßenflügel blieben die Balken- und Deckenbalkenkonstruktion erhalten, während in den anderen Teilen des Gebäudes in den 1970er Jahren vorgefertigte Stahlbeton-„G”-Balkenkonstruktionen eingebaut wurden.
Die Tragkonstruktionen der neuen Stockwerke und die Grundplatte des Untergeschosses wurden gleichzeitig gebaut.
In der zweiten Phase wurde die Tragkonstruktion des Aufbaus errichtet, wobei hohe Stabilität und geringe Gewichtsbelastung wichtige Aspekte waren. Bei Szabadics Group kam moderne CLT-Technologie (Cross Laminated Timber) zum Einsatz, aus der die neuen Wände, Decken und Verschlusskonstruktionen gefertigt wurden. Parallel dazu wurde im Kellerbereich auf der gesamten Grundfläche des Gebäudes eine 20 Zentimeter dicke Stahlbetonplatte angebracht, wodurch die Tragfähigkeit des Fundaments erheblich erhöht wurde.
Zehn neue, moderne Wohnungen wurden auf den neuen Etagen eingerichtet.
Im Zuge des Aufbaus entstanden zehn neue Wohnungen mit einer Grundfläche zwischen 60 und 150 Quadratmetern. Mehrere Wohnungen sind zweistöckig mit Galerie und Innentreppen, die ebenfalls aus feuerfesten CLT-Platten und Stahlkonstruktionen bestehen. Die neue Dachkonstruktion wurde mit einer traditionellen Dachstuhlkonstruktion und einem Dachziegeldach mit Schwalbenschwanzverbindung realisiert. Der Komfort der Wohnungen wird durch eine 15 cm dicke Fassadendämmung und eine 20 cm dicke Dachkonstruktionsdämmung aus Steinwolle gewährleistet.
Moderne Technik in den neuen Wohnungen
Für die Kühlung und Beheizung der neuen Wohnungen sorgt ein pro Wohnung installiertes Luft-Wasser-Wärmepumpensystem mit Fußbodenheizung und Gebläsekonvektorkühlung. Im Rahmen der Investition wurde die Hauptstromleitung des Gebäudes erneuert und eine neue Gegensprechanlage installiert.
Neues Verkehrssystem
Im Rahmen des Anbaus wurde im Innenhof ein neuer Panoramaaufzug gebaut, der acht Personen befördern kann und eine Tragkraft von 630 Kilogramm hat. Das Haupttreppenhaus an der Straße wurde bis zum vierten Stockwerk verlängert, das hintere Treppenhaus bis zum fünften Stockwerk.
Renovierte Fassade unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Aspekte
Im Rahmen der Investition wird die gesamte Fassade des Gebäudes renoviert. Die gelbe Ziegelverkleidung wird gereinigt, die Putzverzierungen werden restauriert und die beschädigten Elemente des Hauptgesimses werden ersetzt. Aufgrund des Anbaus wurden die Hauptgesims und ein Teil der Attikafassade abgerissen und werden nun anhand von Mustern der Ornamente rekonstruiert. Die Fassadenverkleidung wird erneuert, die Fenster und Türen wurden renoviert und das Regenwasserableitungssystem modernisiert.
Referenzprojekt
Der Anbau in der Kecskeméti Straße ist ein Meilenstein in der Geschichte des in Nagykanizsa ansässigen Bauunternehmens Szabadics Group. Es war das erste Projekt des Budapester Hauptingenieurbüros in der Hauptstadt. In naher Zukunft wird die Unternehmensgruppe mehrere ähnliche, volumenmäßig größere Immobilienentwicklungsprojekte realisieren. Das Projekt ist ein gutes Beispiel für die moderne Erweiterung historischer Gebäude mit komplexer technischer Vorbereitung, innovativen strukturellen Lösungen und sorgfältiger Denkmalpflege.
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